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Mittel-Uffni

Das war ein Misttag für Mo. Zuwenig geschlafen, dann die Ex in Mathe, und jetzt Zeichnen. Er hatte kaum mehr die Augen offenhalten können, deshalb war er jetzt austreten. Etwas kaltes Wasser ins Gesicht konnte nicht schaden. Nicht nur Mo hatte ein ungutes Gefühl für diesen Tag, auch Jimi Hendrix sah heute komisch aus; je näher er kam, desto verwackelter war Hendrix unterhalb der Nase. Natürlich war nicht der leibhaftige Hendrix selig gemeint, sondern der Jimi Hendix, der den finsteren Gang im Souterrain des Westbaus der CvB schmückt. Missmutig versuchte Mo, mit seinem Schuh die unscharfe Kinnspitze von Jimi Hendrix zu treten, nur um sich im nächsten Augenblick auf dem harten Boden wiederzufinden. Nicht dass Hendrix zurückgeschlagen hätte, er war einfach nicht da. Genauer : nicht Hendrix war eigentlich nicht da, sondern die Wand, auf die er gemalt war. Ächzend stand Mo auf und untersuchte das Hendrix-Bild genauer. Etwas unterhalb der Nase wurde die Wand erst weich, und war dann ganz weg. Das „Loch“ fing knapp über dem Boden an, war kreisrund und reichte bis etwa unter Hendrix' Nasenspitze. Mo konnte die Hand einfach so in die Wand stecken und es sah aus wie die billigeren Special-Effects in Amerikanischen TV-Serien : leicht wellige Wand mit halbem Arm. Auf der „anderen“ Seite war es etwas kühler und ein leichter Wind strich Mo über den Handrücken. Vorsichtig machte er mehrere Versuch mit einem und mit zwei Armen, bis er sich schließlich einen Ruck gab und den Kopf in die Wand steckte. Das kostete schon einige Überwindung und Mo stellte sich vor wie das aussähe, wenn plötzlich ein anderer Schüler den Gang entlang käme. Der würde dann sehen, wie da einer in der Ecke des Ganges auf allen Vieren versuchte, mit dem Kopf gegen die Wand zu kriechen; seltsame Vorstellung. Auf der anderen Seite war es erst mal so hell, dass Mo kurz die Augen zukneifen musste, um nicht geblendet zu werden. Durch die zusammengekniffenen Augenlider bemerkte Mo, dass er aus einem roh gezimmerten Bretterverschlag auf etwas blickte, was früher vielleicht eine Kopfsteinpflasterstrasse gewesen war. Etwas weiter weg war ein etwas schiefes Fachwerkhaus zu erkennen, das definitiv nicht in Uffenheim stand und schon gar nicht im Souterrain des CvB-Westbaus. Ein völlig unbekannter Duft lag in der Luft; nicht gerade Wohlgeruch und eher „ländlich“. Mo beherrschte seine verständliche Neugier und beschloss, um kein Aufsehen zu erregen, erst mal an seiner 3D-Bleistiftzeichnung weiterzuarbeiten und am gleichen Nachmittag der CvB einen freiwilligen Besuch abzustatten, um dieses „Phänomen“ genauer zu untersuchen.

So sehr sich Mo auf seine 3D-Zeichnung, einer bekannten Figur aus diesen Jump-and-Run-Spielen ( die ja vornehmlich 2D sind), konzentrierte, so schweiften seine Gedanken immer wieder ab.Was war dieses mysteriöse Loch in der Wand? War er womöglich auf einem Geheimschuppen des Hausmeisters getroffen, wo dieser giftige Lacke und Farben bunkerte? War das helle Licht und der Geruch nur eine Halluzination? Die Glocke kündigte das Ende der Schulstunde an und Mo stopfte seine wage Zeichnung in die für seine Klasse vorbestimmte Schublade. Er lies sich dabei besonders viel Zeit, denn er wollte warten, bis sich sein Mitschüler verzogen hatte. Schließlich stand er wieder vor Hendrix. Das Loch in der Wand war immer noch so deutlich da, wie vorhin. Mo atmete tief ein, kniete sich nieder und steckte seinen Kopf in das Loch. Diesmal vorbereitet auf das helle Licht hatte er die Augen geschlossen und öffnete sie langsam. Wieder sah dieses Haus und den Bretterverschlag. Um mehr zu sehen beugte sich Mo weiter vor. Plötzlich spürte er einen starken Sog und ehe sich Moe dagegen wehren konnte wurde er vollständig in das Loch gesogen. Einen Augenblick später fand er sich auf groben, staubigen Kopfsteinpflaster wieder. Als er aufstand um sich abzuklopfen, erschrak er. Seine blauen Jeans, waren weiter geworden und irgendwie fühlten sie sich auch anders an. Auch sein Pullover hatte sich verändert in ein weites Hemd aus weissem Leinen. Doch der wahre Schock ereilte ihn, als er auf sein Handgelenk sah, wo er vorher seine Armbanduhr getragen hatte…

…Er konnte es nicht fassen was da war: Ein dehnbarer Ast und ein paar Kohlenstriche! Sollte DAS eine Uhr sein????? Er befürchtete schon das schlimmste und schaute sich erst mal um! Sein Gesicht muss ungefähr so ausgesehen haben 8O :? und sein erstes Wort: :???: ! Er sah einen Hügel, einen Bach (Gollach) und ein paar Hütten, die man als Siedlung bezeichnen konnte. Er ging in die Richtung der Siedlung und stolperte fast über ein Wildschwein. Er klopfte an einer der Hütten an, wobei er aufpassen musste dass sie nicht zusammenkrachte. Was kam da auf ihn zu? Eine Frau….aber was hatte sie denn da an?

Wenig ! Aber nicht gerade sexy! Heute würde man Kartoffelsack mit Armlöchern dazu sagen, aber Mo hatte so seine Zweifel, ob Kartoffeln hier schon bekannt waren. Wirre, ungekämmte, verfilzte Haare die mit Asche bestreut waren und vorne auf dem Sackgewand ein noch feuchtes Kreuz aus *Blut*(??). „'Tschuldigung“ stotterte Mo etwas verwirrt, „wie heißt denn die Stadt hier?“ „Des is Uffni“, kam die Antwort, aber in einem enorm breiten Dialekt. Mo war gottseidank schon als Kind nach Uffenheim gezogen und beherrschte deshalb auch die rohen Spielarten des lokalen Dialekts. „Seeder der Drachendeïde ?“ fragte das Weib sofort nach und betrachtete Mos normale Klammoten mit bewundernder Neugier. „Was ist ein Drachendeïde ?“ fragte Mo einsehend, dass er doch nicht alle Spielarten des lokalen Dialekts beherrschte. (weiterer Dialog in Übersetzung!) „Ein gottesfürchtiger Ritter, der das Untier besiegt. Den Drachen aus Hinterpfeinach, der jeden 7. Abend eine Uffenheimer Jungfrau holt, wosonst er die Stadt mit seinem Feuerodem niederbrennet, sofern nicht eine ist angekettet auf dem Parkplatz vor dem Hallenbad(das war jetzt sehr frei übersetzt!). Und jetzo wird seien ein groß Processio, wo dreimal geht um den Pausenhof der CvB (auch das war sehr frei übersetzt!) um zu erflehen den Bestand von oben und zu finden den Edlen, der das Untier niederwerfet. Und musset jetzo gehen, da bereits geläut zweimal der Turm“ sagte die Frau, drängte an Mo vorbei und winkte ihm ihr Richtung Stadt zu folgen. Als sie an ihm vorbei strich blieb Mo fast der Atem weg. Diese Duftwolke! Hier roch es ja insgessamt ein wenig rustikal, aber Mos Nase weigerte sich, diesen Gestank auch noch wahrzunehmen. Mindestens 40 Tage nicht gewaschen! Mehr oder minder betäubt vom Geruch, trabte Mo ohne groß nachzudenken hinter der Frau her. Kaum war der Rest der „Processio“ in Sicht, fing die Frau an den Leuten, die alle sehr ähnlich gewandtet waren, etwas zuzurufen : „derDrachendeïderisdo, derDrachendeïderisdo“. Erst als alle 200 Leute begannen in Hochrufe und Hosianna-Gesänge auszubrechen und zwei etwas besser bekleidete Typen ohne Asche auf dem Kopf, freundlich lächelnd und mit willkommen heißenden, ausgestreckten Armen auf ihn zu kamen, wurde sich Mo der Bedeutung der Worte klar : „Drachentöter“! Und die meinten er wäre das ! Uhh! Boah! Da kam was auf ihn zu! Mathe mußte er noch machen, in ein paar Tagen war Englisch-Schulaufgabe und die hier wollten, das er den Unterpfeinacher Drachen erlegt! Naja, das Mathe- und Englisch-Problem konnte er einstweilen streichen, solange er in diesem Uffenheim festsaß; aber was er sich unter einem Drachen vorstellen sollte, wußte Mo nicht so genau (in Bio immer schön aufpassen, dann passiert euch das nicht).

Er blickte in die Runde und fragte (er versuchte sich auch mal am Dialekt): „Sin a Drachennochborn do?“(Vorderpfeinacher) „Jo… Hia!“ Er fühlte sich nicht wohl und der Gestank wurde auch nicht weniger… Die Vorderpfeinacher erzählten: ÜBERSETZUNG: „Der Drachen ließ das Feuer verdampfen und hat unsere Heuhaufen verbrannt. Wir können uns nicht wehren“ Schließlich fand Mo heraus, dass der Drache im heute unbekannten Pfeinacher Hintervorderforst haust. Er erinnerte sich an eine Klassenfahrt in der Grundschule, wo sie auf einem Holzweg neben Pfeinach gespielt hatten!!! ….. er dachte sich vielleicht bin ich gedanklich aufm Holzweg, aber sicher nicht in dieser Welt„ …könnte das die Höhle des Drachen sein

Melanie, genannt Mel nach einer musikalischen Sünde ihrer weit zurückliegenden Kindheit, war wieder mal schlecht drauf. Probleme im emotionell, privaten Bereich, wenn ihr wisst, was ich meine. Sollte Sie Schluss machen, mit diesem drögen Hampel, oder nicht. Sowas soll man nicht übers Knie brechen, und so stöpselte sie die Kopfhörer in den MP3-Player ging raus um sich in der reinen Uffenheimer Luft Klarheit über ihre Gefühlslage zu verschaffen und vielleicht ein Eis reinzuziehen. Sie würde Schluß machen, wußte sie nach einer Viertelstunde und lenkte ihre Schritte Richtung der Eisdiele am Ansbacher Tor. Ganz gedankenverloren betrat sie den Torgang und sah den Hundehaufen erst im letzten Moment : „Oh Mann, sch…“ (wie wahr!). Der Versuch eines eleganten Seit-Steps um nicht reinzutreten, brachte sie ins Taumeln und sie schlug mit den Schultern an die … eben nicht Tormauer? „Wo ist die Tormauer ?“, fragte sich Mel, als sich völlig überrascht auf einer dreckigen Straße wiederfand. Sie richtete sich auf und sah die Tormauer, allerdings auf und von der „anderen“ Seite. Das neue Mauerwerk (hatten die das irgendwie renoviert in letzter Zeit?) war im unteren Teil in der Form eines Kreises ganz leicht verschwommen, etwa wie die billigen Special Effects in amerikanischen Serien. Immernoch verblüfft befühlte Mel die wellige Mauer, vielmehr sie versuchte sie zu befühlen , denn ihre Hand verschwand einfach in der Mauer. „Ahex, Adrachahex“ rief ziemlich panisch eine Stimme hinter ihr. Erschrocken fuhr Mel herum und sah einen „Wächter“, in dessen Augen das blanke Entsetzen, und in dessen Hände eine sehr gut geputze Hellebarde blitzte. Hinter ihm stürzten aus einem Verschlag am Tor noch zwei weitere Wächter, ebenfalls mit Hellebarden bewaffnet und rannten in ihre Richtung. Das war zuviel! Wo waren den die ganzen parkenden Autos, wo die Geschäfte ? Was wollten diese zahnlückigen Idioten von ihr ? Warum hatte die Musik aus dem Player aufgehört, sie hatte doch zuhause erst frisch geladene Akkus eingelegt ?

Der Wächter rannte auf seinen Sandalen davon und nur 50 Sekunden später kam er mit einem Eimer Wasser wieder und begoss Mel mit Weihwasser gegen Drachenhexen, während 3 andre Wächter sie bewachten. Mel war entsetzt, dass ihr MP3 Player nass war, aber an die Stelle an die sie gerade hinlangte, war eine Minizitterharfe an ihrem Gürtel… und da waren so komische nBindfäden mit Blumenknospen an ihrem Ohr…. „Menno… der Player hat 250 Euro gekostet, erklär mir jetz mal wo der hin is!!!!“ Die Wächter schleiften sie mit sich in die …. „Stadt“? Erst jetz erkannte Mel wie klein diese Stadtmauer überhaupt war, aber eines erkannte sie wieder: DA! DER BÜRGERTURM… war der Bürgertum der höchste Punkt zur damaligen Zeit??? welche Zeit haben wir… und warum steht hier noch keine Kirche und das alles?

Vorbei an einer Mischung aus halbbaufälligen Hütten und prachtvollen Fachwerkhäusern wurde Mel von den Wächtern schließlich zu einem gepflasterten Platz geschleift, der sich an der Stadtmauer etwa da befand, wo heute der Finanzamtsneubau steht. Dabei wurde sie von einem immer größer werden Mob gefolgt, von denen viele seltsame Kartoffelsäcke mit einem großen Kreuz auf der Brust als Kleidung trugen. Dort wartete bereits ein Pfarrer/Mönch(?) und ein gockelartig herausgeputzter, dickbäuchiger Kerl mit einer extrem breiten goldenen Kette um den Hals auf den Zug wartete. „Ha, großabscheulich Drachenhex“, wußte der Dicke, „das treffet gut, denn auf die Nacht wird hol der Drach sein allwöchentlich Jungfernfleisch. Dero Monstero wird gegeben heut sein eigen Gezücht“. „In nominem Domini!“ sagte der Mönch dazu. „Wovon redet ihr eigentlich“ schrie Mel fast hysterisch, „wo bin ich hier, verdammt nochmal, und was habt ihr mit meinem MP3-Player gemacht. Der war neu“! „In nominem Domini“, antwortete der Mönch, scheinbar der Fremdsprachenspezialist in dem Haufen, „der Embedrei-Blähr ist itzo gefahrn zur Höll zuruck, wann das geweiht Wasser netzet die Drachenhex“ „Bescheuert! Alle bescheuert“, dachte sich Mel, aber egal was hier passierte, es schien möglicherweise gefährlich zu werden. Man hielt sie offensichtlich für jemanden Unterweltliches und schien sie einem Drachen (?) opfern/zurückgeben(?) zu wollen. „Macht wenig Sinn“, dachte sie, als der ganze Zug sich wieder in Bewegung setzte. Durch ein kleines Tor der Mauer, über ein paar Holzbohlen(war das das „Brüggla“) auf eine fußballfeldgroße Wiese. Keine 15 Minuten später fand sich Mel an einen Pfahl mitten auf dem Platz gekettetund der Mob verschwand gerade wieder durch das kleine Tor in der Mauer. Stille !

Nach dem Bericht des ungewaschenen zwergengrossen Flüchtlings aus Vorderpfeinach, packte der eine der beiden besser gekleideten Herren Mo am Arm und führte in sehr bestimmt in Richtung eines Stadttores. „Ahm, meine Waffen“, sagte Mo, „meine Waffen und mein Kampfross sind noch -ahm- da draussen“. Wenn die ihn nur losliesen würde er einfach wieder durch das „Tor“ in sein Uffni wechseln und die Sache wäre gegessen; lieber Mathe lernen als mir Drachen rumbalgen. Aber der Herr dachte nicht daran, Mos Arm loszulassen. „Wir habet noch ritterlich Waffen von den anderen 3 Rittern, die zu töten den Drach vergeblich versucht. Und an Ross soll er nicht Mangel leiden“. Kaum war das Tor passiert, kam ein Mönch/Pfarrer auf den „Umzug“ zu und berichtete kaum angekommen : „Die Wach habet gefangen ein Drachenhex, dieselbige habet man gebunden an den Pfahl, wo sie erwarten wird als Opfer dem selbigen Drach zu dienen“. „Oho das entbindt uns zu würfeln ein ander Jungfrau aus der Stadt“, sagte darauf der kleinere der beiden Herren,“Wir habet gefunden ein edlen Rittersmann, der wollet entleiben den Drach auf Abend„. „Eyh, Moment“, fuhr Mo dazwischen, „von wollen kann ja nicht die Rede sein“. „Ei, sehet die Drachenhex doch einmal an“ sagte der Mönch, und musterte Mo seltsam, „sie habet einen gar greulichen Embedrei-Blähr, dero ist wieder gefahren zur Höll, als geweihtes Wasser ergoss sich über die Hex“. „Was, einen MP3-Player hatte die Drachenhexe?“ fragte Mo, “ führ mich sofort hin„. Auf dem weg Richtung der Wiese, wo heute die CvB steht, kammen sie an einem ziemlich alten, eingefallenen Teil der Stadtmauer vorbei, an der ein Männchen mit einem Hämmerchen daran herumklopfte. “??„, Augenbrauen hochziehen genügte und der größere der beiden Bessergekleideten erklärte : (Übersetzung) :„Das ist ein von dem Rate der Stadt Rothenburg Beauftragter Schwabe. Die Rothenburger haben uns vor 2 Jahren erobert und beschlossen die Stadt zu schleifen. Da jedoch die Stadt-Schleif-Truppe aus Kostengründen kurz zuvor aufgelöst wurde (zu hohe Personalkosten, keine Einnahmen), war man gezwungen den Auftrag ins kostengünstigen Ausland zu vergeben. Der günstigste Anbieter war eben der schwäbische Einmanbetrieb „Stadtschleifung Schäble GmbH“. Bei dem vorgelegten Tempo würde es noch etwas bis Anoo Domini 2017 dauern, bis Uffenheim komplettt geschleift wäre. Die Erklärung war gerade beendet, als die Gruppe auf ein paar Holzbalken über einen Bach balancierte und die große Wiese erreichte. Mo sah ein Mädchen in „normaler“ Kleidung (21. Jahrhundert!), das an eine Rußgeschwärzten Pfahl gekettet war.

Mel sah die Gruppe kommen. Verlauste, übelriechende Gestalten, wie sie sie schon kannte, nur der etwas größere, der vorne zwischen den beiden Meistertrunk-Goldkettenträgern lief, hatte normale Klamotten an. „Ey Mann, mach mich hier los“ herrschte Mel den Jeansträger an, „ich habe die Schnauze voll von dem Scheiß hier“. In repektvollem Abstand vor der wütenden Mel machte die Gruppe halt, nur Mo ging näher ran. „Leiser, ich glaube das hier ist alles echt“, sagte er zu der angeketteten Drachenhexe. „Wir sind irgendwie in eine Parallelwelt, oder in die Vergangenheit geraten, sowas kommt öfter vor, das habe ich schon hundertmal in SF- oder Phantasy-Stories gelesen“. „Bist du auch so abgedreht, wie die restlich W*x\*\* hier“ übte sich Mel, durchaus nicht leiser, in zorniger Gassensprache, „ich habe wirklich nicht den Nerv, Mittelalter zu spielen“. Mit der war momentan nicht zu reden sah Mo ein, irgendwie müßte er sie wohl doch aus der misslichen Situation befreien, bevor er durch sein „Tor“ wieder in die normal Welt zurückkehren würde; wobei er noch nicht mal wußte, wie er das für sich alleine anstellen sollte. Vielleicht sollte er erst mal herausfinden, was ihm an „Werkzeug“ zur Verfügung stand : „Ich brauche Waffen, ein Streitross, ein Zelt mit Lagerstatt zur Vorbereitung …und zum stillen Gebet vor dem Drachenkampf „sagte Mo mit einem Seitenblick auf den Mönch, “'ne Cola und 'nen Döner oder 'ne Pizza oder…., ahhhm,ja ähm, Verpflegung eines Ritters würdig, und…“ Mo dachte angestrengt nach, “…die Hälfte des Uffenheimer Stadtschatzes““. Das war ein Versuchsballon, aber irgendwie mußte er die Leute beschäftigen, damit sie ihm nicht dauernd auf den Hacken standen. Erschrecken, Entsetzen, Panik auf den Gesichtern der Würdenträger! Sowas sah Mo ganz gerne. Aber kein sofortiger Widerspruch. Scheinbar war so ein „Raubzug“ in dieser Welt durchaus üblich. „Dero Schatz werd übergeben dem edlen Ritter, gleich nach dem jämmerlichen Tode des gar bösen Draco!“ bestimmte überraschenderweise der Mönch, „Kommt edle Meister, zu beschaff, was des edlen Recken Herz verlangt“ forderte er die beiden Goldketten auf und wandte sich zum Gehen. Immer wieder Blicke zurückwerfend folgte ihm der Mob, und lies Mo und Mel alleine auf der Wiese zurück. „Gut, die sind erstmal beschäftigt“, sagte Mo. „Ja hilfst du mir jetz oder was?“ „Jaja. Hör mich doch mal zu… Hast du das gerade kapiert was ich dir verklickern will?“ „HELF MIR ODER ICH SCHREIE!!!“ Mo löste Mel's Fesseln und half ihr vom Podest herunter. Mel wollte sich auf den Weg zu dem Tor machen, von dem sie gekommen war, aber Mo hielt sie zurück: „Geh nicht! Wenn die merken was hier läuft, könnten wir die ganze Geschichte durcheinanderbringen!! Wir müssen versuchen uns an irgendetwas aus der 3. Klasse HSK-Unterricht zu erinnern! Denk doch mal nach was gewesen sein könnte?!“ „Weiß nich… Unser Lehrer hat uns nie etwas von Drachen erzählt… einfach nur bisschen was über nen Großbrand und eine Hexenverfolgung…………… ACH SOOO!!! Du meinst ICH bin die verfolgte Hexe???“, fragte Mel verblüfft. Mo dachte gerade darüber nach wie diese Geschichte ausging und meinte: „Also das mit dem Großbrand könnte doch dieser Drache gewesen sein… und die Hexe; das könnte auch stimmen. Ich weiß noch, dass die Hexe nixht verbrannt wurde, weil irgendetwas dazwischen kam, sie flüchtete und nie mehr auftauchte! Ich schätze mal, dass der Brand und die Hexenverfolgung nicht allzulange voneinander entfernt lagen! Der Drache müsste also bald in die Stadt kommen!!!“ Mel schnappte nach Luft: „WIR MÜSSEN VERSCHWINDEN! Die Geschichte will es so!“ „JETZ HALT MAL DIE LUFT AN! Wir können nicht gehen bevor wir nicht wissen was damals genau geschah! Wir sind im Mittelalter, also müssen wir nach irgendwelchen Büchern suchen, vielleicht waren schon Leute vor uns hier, die etwas mit unserer Zeit zu tun haben.…“

Admin : Dieser Absatz ist sehr final, nachfolgend eine modifizierte Version:

„Gut, die sind erstmal beschäftigt“, sagte Mo. „Ja hilfst du mir jetz oder was?“ schrie Mel ihn an. „Jaja. Hör mich doch mal zu… “, versuchte Mo zu erklären, „Hast du das gerade kapiert was ich dir verklickern will?“ Vergeblich, denn Mel forderte schrill : „HELF MIR ODER ICH SCHREIE!!!“ Mo versuchte Mel's Fesseln zu lösen, aber auch mittelalterliche Schlösser sind ohne Haarnadel und ohne Scheckkarte (funktioniert in Filmen immer!) nicht zu knacken. „Kriege ich nicht hin“, sagte er zu Mel, die an den Fesseln zerrte, als ob sie die roh geschmiedeten Ketten dadurch lösen könnte. „Jetzt reg' dich mal ab. Wenn wir Glück haben, sind wir in der Uffenheimer Vergangenheit, dann bräuchten wir uns nur an den 3. Klasse HSK-Unterricht zu erinnern! Da war doch die Uffenheimer Geschichte dran. Denk doch mal nach was gewesen sein könnte?!“ Mel riss sich zusammen. „Weiß nich… Unser Lehrer hat uns nie etwas von Drachen erzählt… einfach nur bisschen was über nen Großbrand und eine Hexenverfolgung…………… ACH SOOO!!! Du meinst ICH bin die verfolgte Hexe???“, fragte Mel verblüfft. Mo dachte gerade darüber nach wie diese Geschichte ausging und meinte: „Also das mit dem Großbrand könnte doch dieser Drache gewesen sein… und die Hexe; das könnte auch stimmen. Ich weiß noch, dass die Hexe nicht verbrannt wurde, weil irgendetwas dazwischen kam! Ich schätze mal, dass der Brand und die Hexenverfolgung nicht allzulange voneinander entfernt lagen! Der Drache kommt heute Abend um …hmmm… dich zu fressen, sagen die Typen hier die ganze Zeit, also wird der Brand vielleicht heute Nacht sein!!!“ Mel schnappte nach Luft: „WIR MÜSSEN VERSCHWINDEN! Die Geschichte will es so!“ „Gut gebrüllt Löwin“ bemerkte Mo bissig, „haste einen guten Zauberspruch auf Lager, oder sollen wir den ganzen Pfahl hier ausbuddeln und wegtragen, oder was“. …. Ein Rascheln in den Hollunderbüschen am Rande der Wiese liess die beiden herumfahren, naja, Mel konnte nicht so richtig herumfahren, sie war durch die Ketten doch etwas eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit. Eine schwarzgekleidete Gestalt mit rußschwarzen Haaren und schwarzen Ringen unter den Augen kroch aus dem Gebüsch. Hätte gut in die Gothik-Szene gepaßt, fand Mo. „Salvem Barbarii“ sagte der Schwarzgewandete mit sehr angenehmer Stimme, „Horgoth Hintermeier, der Obermeister de weltweiten Ordens der Drachenfreunde grüßt euch“. „Weltweit ? Wieviele seid ihr denn und könnt ihr uns irgendwie helfen ?“ fragte Mo. „Nun,…ähh,…wir sind noch nicht so viele Drachenfreunde, genaugenommen sind wir im Augenblick nur 2 Drachenfreunde, ich und mein kleiner Bruder, aber der Orden wird wachsen, und mit Hilfe des großen Drachens werden wir bald die Weltherrschaft über den gesamten Gollachgau antreten“, sagte der Goth und bei den letzten Worten begannen seine Augen zu funkeln und die Stimme gewann an Festigkeit und Überzeugungskraft. Was für ein Typ, dachte Mo, wenn sein Ziel nicht so bescheuert wäre, ein optimaler Politiker oder Versicherungsvertreter (wenn es sowas wie Versicherungen hier überhaupt gab). „Was wißt ihr über den Drachen, edler Hauptobermeister des Ordens der Drachenfreunde?“ fragte Mo. „Oh, das ist nur ein junger Drach. An den kleinen Flügeln erkennt man das Weibchen, und sein Deutsch ist nicht sehr gut.“ „Was ? Der quatscht auch noch, wenn er mich verspeist?“ warf Mel -ganz künftiger Bio-Leistungskurs- ein. „Oh, nein!“ empörte sich der Ordensmann, „der Drach ist den fleischlichen Genüssen abhold, sonst würd die Flamm versagen. Zudem ist der Drach ein Geschöpf des Nordens und spricht, denk ich, wie die Barbaren nördlich von Schweinfurt“. Aha, ein Pflanzenfresser, dachte Mo. Produziert wie eine Kuh eine Menge brennbares Methan, das aber anstatt durch andere Körperöffnungen zu entweichen in Form von „Rülpsern“ abgelassen wird. Wahrscheinlich haben Drache besondere Zähne, die irgendwie Funken schlagen können ⇒ ein lebender Flammenwerfer. „Ja, und was geschah dann mit den Jungfern, die der Drache bisher …hmmm… gefressen hat ?“ fragte Mo. „Der Drach nicht frisset…“ hub Obermeister Hintermeier aufgebracht an, „Ja, ja, ist schon klar. Das war mit Anführungszeichen gesagt“ besänftigte Mo, „Wo sind die hin?“ „Was ist Anführungszeichen?“ fragte der Obermeister leicht verwirrt, antwortete aber dann :„ Ei, nachdem der Hl. Drache in Engeland den ruchlosen Ritter Georg getötete hatte (in Notwehr natürlich), beschlossen die Drach, zu bilden die unwissend Mensch. Zu diesem Behuf, werden Jungfern in unverbildtem Alter gesammelt in ein Burg genannt *Internatum* weit im Norden. So sagt, der gross Drach,des jungen Drach Meisterin, der hier gewest vor 3 Monat. Weiter wisset ich noch nicht“, fuhr Horgoth Hintermeier wieder ganz Politiker fort, „die Drachologie als wissenschaftliche Disziplin ist noch recht neu und ohne deutlich mehr Forschungsgelder werden wir diesbezüglich weltweit ins Hintertreffen geraten. Im Königreich Wirtembergo, bei Crailesheim, habet sie sogar kürzlicht gebaut ein beweglich und feuerfest Geheg für Drachologen, worin ein Drach kann beobacht werden ohn Gefahr“. „Also Moment mal, Herr Hintermeier“, unterbrach in Mel schon wieder leicht hysterisch (ich habe leicht reden, ich war ja noch nie als Drachenfutter vorgesehen), „ich dachte Drachen sind niedlich Tierchen, die niemandem was tun? Wieso dann Gefahr“. „Nun, ähh…“ hub Meister Horgoth an, „die Flamm des Drachen ist gar heiss..“ weiter kam er nicht. Ein Maulen und Schlurfen aus Richtung Welbhausen veranlasste ihn dazu, sich nach einem kurzen Spurt mit wehendem Gewand, wieder in seinen Holunderbüschen zu verkriechen. Auch Mo und Mel fuhren erneut herum; naja, Mel konnte auch diesmal nicht so richtig herumfahren, die Ketten eben. Ein etwa 4m hohes Monster stampfte mißmutig auf sie zu. „Wie ein dünner T-Rex, mit längeren Armen, dem etwas vergrößerten Kopf eines Goldkopflöwenäffchens und der 'Schnauze' eines (klugen) Pferdes. „F*\*\*, F*\*\*, F*\*\*“ sagte gerade in einer ziemlich hohen Stimmlage, „blödes Hoministengewäsch. Heute nochmal und dann hau ich hier ab.“ Die Drachin kickten einen ziemlich großen Stein (wahlweise einen etwas kleineren Felsbrocken) durch die Gegend. „Keine Disco, nix los, Dreckskaff! Und auch noch im Wald verstecken! Wo sind wir denn? Die checken aber auch nix diese Bürotypen, keine Ahnung, was diese kleine Fastaffen für ein stinkendes Pack sind. F*\*\*, F*\*\*, F*\*\*“.

Mo überlegte fieberhaft. Dank der vielen Action-Filme wußte er, dass er die wild an den Ketten zerrende Mel irgendwie retten mußte : „Scheiß-Filme!“ murmelte er, eigentlich fiel ihm angesichts des Punker-Drachens immer nur „Jurassic Park“ ein, aber da waren sie immer nur davongerannt, wenn ein T-Rex auftauchte, was definitiv richtig, aber völlig unheldisch war. Also nahm er eine alte asiatische Kampfstellung ein (hoffte er wenigstens) und brachte seine gar nicht gestählten Körper mit eleganten Kun-Fu-Schrittchen (hoffentlich sah das wenigstens gut aus, wenn es schon total hirnrissig war) zwischen den Drachen und die verzweifelt an ihren Ketten…; aber das hatten wir schon. „Eyh, da waren die Dorfdödel hier aber spendabel“, säuselte die Drachin, „gleich zwei Jungfrauen-Girlies! Putzig!““. „Ich bin keine Jungfrau“ sagte Mo und trotz des heftigen Kettengezerres brachte es Mel fertig, irre zu kichern und eine halbwegs obszöne Bemerkung bezüglich Mos Jungfräulichkeit zu machen. „Äh.., natürlich meine ich, äh… ich bin gar keine Frau“. Mist er bekam wieder die roten Ohren, das wußte Mo, ausgerechnet jetzt, obwohl sich das im Tod bestimmt legen würde : „Zieh Leine Drache!“ war das beste was ihm einfiel um von dem unheldischen Thema abzulenken.

„Oh, ein Ritterchen ? Mit so langen Haaren ? Na egal, dann lege ich halt noch einen Fight drauf, ist eh mein letzter Tag“ sagte die Drachin, „Wo ist denn dein Gaul und deine Rüstung und alles, wollen wir uns denn garnicht an die ätzigen Regeln halten, du dumpfes, humanoides Ritterlein?“ Das reichte, fand Mo und stürmte vorwärts. Eine Hieb nach altasiatischer Manier brachte er an, dann flog er wegen eines komplett unasiatischen Kicks der fußballerisch begabten Drachin Richtung Holundergebüsch. „Cool down“ sagte die Drachin zu Mel, „wenn du rumzickst, krigste bloss ne Verbrennung ersten Grades, wenn ich dich losschweisse. Dass die Deppen aber auch nicht auf die Eisenketten verzichten können…“. Sie hielt die den Eisenring an Mels linker Hand fest, holte tief Luft, spitze die Lippen und schob ihre längs gerollte Zunge dazwischen hervor. Ein scharfes Klicken der Zähne, ein kurzer Pusterer und eine bläuliche Schweissflamme schoss aus der gerollten Zunge hervor und durchtrennte den Verschluss des Eisenrings wie Butter. Keine Minute dauerte es, bis Mel -diesmal garnicht hysterisch- von den Fesseln befreit war. „Come on Baby“, sagte die Drachin, ich hab noch was vor„ und faßte nach Mel. Mel, wirklich downgecoolt, trat die Drachin ans Knie und spurtete Richtung „Altstadt“. „Umpf“, sagte die Drachin, „Ey du blödes Stück bleib da“

Mel war nicht umsonst Jahrgangsstufenmeisterin auf den Mittelstrecken gewesen. Angespornt vom gedachten Feuerhauch der Drachin, legte sie einen Sprint hin, der sie auch noch zur Jahrgangsstufenmeisterin aller Kurzstrecken gemacht hätte. Die Drachin, auch Jahrgangsstufenmeisterin aller Kurzstrecken , aber eben bei Drachen und bevor sie in den Jungfrauenbildungsbereich eingestiegen war, begann die Distanz zwischen sich und Mel zu verkürzen, nachdem sie den ersten Schreck überwunden hatte. Mo sah keine Sterne mehr, sondern dass die Drachin Mel auf jeden Fall vor der Stadtmauer erwischen würde; neuer Kurzstreckenrekord oder nicht. Mit einem völlig improvisierten Hechtsatz (sah auch überhaupt nicht cool aus) erwischte er die vorbeistürmende Drachin gerade noch am Schwanz (kein blöden Bemerkungen bitte!). Während Mo vom kräftigen Drachenschwanz heftig hin und her gebeutelt wurde, drehte die unvermindert dahinstürmende Drachin den Kopf auf dem langen Hals und flötete : „Eyh, Ritterw*x**, lass deine Finger von meinem edelsten Teil“. In diesem Moment wurde Mo so glücklich herumgebäumt, dass er die Hacken prima genau gegen die Laufrchtung der Drachin in den Boden stemmen konnte. Eine saudumme Idee, wie sich herausstellte. So eine Drachin hat eine ordentlich Masse und eine ordentliche Masse hält man nicht mal so eben an. Die Drachenklauen griffen kurz ins Leere, dann fiel die Drachin vornüber. Der im Fallen hochpeitschende Schwanz, ein vergeblicher Versuch das Gleichgewicht wieder zu erlangen, bescherte Mo noch ein Flugerlebnis. Diesmal aber deutlich höher und mit deutlich mehr Geschwindigkeit. Genug Zeit für Mo sich eine cool aussehende, asiatische Landetechnik zu überlegen. „Buuff“ säuselte die Drachin, als sie der Länge nach auf die Wiese fiel und im Weiterrutschen den Grassoden großflächig vor sich her schob. Wenn ein Maulwurfshaufen glattgebügelt wurde, klickerte das Drachengebiss, ohne das was besonderes passierte, aber beim vierten, fünften Mal sagte die Drachin auch noch sowas wie „Boooah!“, und das war's dann. Ohne gerollte Zunge war der Effekt viel eindrucksvoller : Eine ganze Feuerwand bewegte sich auf die Uffenheimer Stadtmauer zu. Mo flog noch zu hoch um durch die Flammen Schaden zu nehmen, und Mel hatte einen Hacken nach rechts geschlagen, um durch den kleinen Durchlass (auch ein Werk der „Stadtschleifung Schäble GmbH“!) in die Stadt zu fliehen. Als Mo gerade sanft im Hainbach aufschlug und dadurch die nächsten 5 Minuten verpaßte, erreichten die Flammen eine Art Planwagen, der außerhalb der Mauer neben dem bereits geschleiften Mauerteil stand. Den setzte er natürlich in Flammen, aber der stabilen Uffenheimer Stadtmauer machten die paar Flammen nix aus. Nochmal gutgegangen könnte man meinen. (Schwäbische Übersetzung vom Schwobifyer) „Hald, mai Exbressaufschlagswoor, mai gsamde Ladung Schwarzbulvr für Eilaufdräg brennd.“ schrie verzweifelt Meister Schäble während er über die Trümmer der Teilschleifung zu seinem Wagen stürzte. „Vorsichd dr könnde gleich mid großem Gedöse exblodiere und oi großs Loch in d Gegend mache.“ Erkennend blieb Meister Schäble stehen, wandte sich um und rannte wieder in die Stadt. „Du guade Güde, oh heiligr Urbanian (ehem. Schutzpatron der Stadtschleifer) jedzd isch s z schbäd, fliehd und redded eich, dr Hölle Rauch und Feir wird gleich komme.“ Nach einer ersten toll anzuschauenden Stichflamme gab es dann das Uffenheimer Feuerwerk! Einzelne Schwarzpulverfässer wurden ungezündet hochkatapultiert und explodierten erst in großer Höhe, andere sorgten mit ordentlichen Druckwellen und fulminanten Feuerbällen dafür, das die Stadtschleiferei Schäble für die nächsten 20 Jahre 100% Planerfüllung melden können wird. Die einzelnen brennenden Trümmer taumelten auf die Steildächer der Uffenheimer „Innen“stadt herunter, sammelten sich in den halbmorschen, hölzernen Dachrinnen und fingen von dort ihr grimmiges Vernichtungswerk an.(auch wieder 20 Jahre Dienstverkürzung für die Stadtschleiferei Schäble GmbH!). Die Ursache des großen „Uffermer Weltunergangsbrandes“ von 1251 ist damit auch geklärt Unterdessen begann der Hainbach, duch den enormen Explosoinskrater seines Bachbetts beraubt, das entstandene Loch zu füllen. Der rasch sinkende Wasserstand verhinderte zudem, das der bewußtlose Mo gezwungen war im lächerlich untiefen Hainbach zu ersaufen. Mühsam rappelte er sich hoch, wischte sich die Schlammbrocken aus dem Gesicht und erkletterte den glitschigen Hainbachdamm. „Wow! “ entfuhr es ihm angesichts der bereits halb in Flammen stehenden Stadt und des sich langsam füllenden Teichs ungefähr da, wo später das Wasserschloß gebaut werden würde. „Wo ist die Drachin?“ war der nächste Gedanke.

Die Drachin war wohlauf, aber wütend. Sehr wütend. Um nicht zu sagen außer sich vor Wut. Sie war gerade damit beschäftigt lautstark mit diversen Wörtern herumzufluchen, die hier auf der Zensorliste stehen (##edited##, ##edited## und ##edited## zum Beispiel) und dabei jedem geeigneten Gegenstand einen Tritt zu geben. Zu den, für Drachen geeigneten Gegenständen, gehören auch solche Dinge wie Apfelbäume, grasende Kühe, bröckelnde Stadtmauerreste und die Stadtschleiferei Schäble GmbH (Note 9,2 für die künstlerische Ausführung des Flugs, beim Eintauchen in den künftige Schloßteich gab es aber deutlich zu viele Spritzer). Beim Zerlegen eines kleinen Wachturms,stieß sie dann auch noch auf Mel, packte sie und wandt sich immer noch fluchend, aber nicht mehr Tritte gebend, in Richtung Hinterpfeinach. Mel stand der Drachin in Nichts nach, was das Fluchen anbelangte ((##edited##, ##edited## und mehrfach ##edited##). Auch im Herumtreten wären die beiden ebenbürtig gewesen, hätte Mel die Chance gehabt auch was zu treffen, aber so eingeklemmt unter einen muskulösen Drachinnen-Unterarm ist's nicht weit her mit der Bewegungsfreiheit. Mo war so platt, dass er nicht einmal daran dachte, sich einen gutaussehenden Ninja-Angriff zur Befreiung von Mel auszudenken. Er stand mit eher weniger intelligenten Ausdruck im dreckverschmierten Gesicht in total zerfetzten Klamotten mit leicht offenem Mund da und betrachtete staunend dieEreignisse.

In flottem Tempo trabte die Drachin mit der unter den Arm geklemmten Mel Richtung Unterpfeinach. Nachdem Uffenheim halbwegs außer Sicht war beruhigte sie sich auch wieder unter hörte auf herumzufluchen. Am Bach, auf halbem Weg nach Custenlohr kamen sie an einem der letzten Uffenheimer Äcker vorbei; prächtige Rüben von Hand gepflegt (wie auch sonst…). „Ahh, jetz erst mal einen Happen essen“ säuselte die Drachin fast schon zufrieden. Mel erschauerte. „Hoffentlich hat der Hordings Hintermeier recht mit seiner Pflanzenfresser-Theorie“, dachte sie, „sonst war's das jetzt“. Die Drachin setzte Mel etwas unsaft in einen Baum, dessen unterster Ast mindestens 4 Meter über dem Boden lag (keineChance!), und begann in aller Ruhe einen Zentner Rüben zu ernten. Nach der sorgfältigen Rüben-Reinigung im Bach fletzte sie sich unter Mels Baum und begann genüßlich den Riesenhaufen zu verzehren. „Willste auch was, humanoider Blödmann?“ fragte sie freundlich. „Ähh, nein Danke, ich mach gerade eine Schokodiät“ antwortete Mel. „Schoko-Was? Und was ist Schoko?“ plauderte die Drachin. „Schoko ist ein Zeug aus Südamerika“, vermutete Mel, „das wird aber erst später entdeckt“. Leise begann es zu tröpfeln. Das ist gut für den Teint, besonders wenn da noch die Hainbach-Schlammmaske langsam festkrustet. Aber Mo war noch so mit „dummschauen“ beschäftigt, dass ihn einige Regentropfen noch nicht aus der Starre weckten. Die Flammen auf bereits halb verbrannten Strohdächer einiger kleinerer Hütten verlöschten und über Uffenheim stieg eine riesige Wolke aus Dampf in den grauen Himmel. „Kommet Meister, wenn ihr wollet die Jungfer 'retten'“ rief Horgoith Hintermeier, der Großmeister des aufstrebenden Drachenordens und zog Mo am Ärmel in die Richtung, in die die Drachin verschwunden war. Willenlos trottete Mo hinter der Hälfte des real existierenden Drachenordens her, der die dunkle Kute bis über die Knie gelüpft hatte um die Geschwindigkeit zu steigern, und beim Laufen begann sich auch Mos Hirn wieder zu bewegen. Schlagartig blieb er stehen, als ihn der Geistesblitz traf, drehte sich umn und begann Richtung „Innestadt“ zu rennen. In der Stadt sah es wüst aus. Einzelne Trümmer des gesprengten Wagens lagen noch kokelnd in den Gassen zwischen dem dekorativ verteilten Hausrat der angekokelten Häuser und überall zogen noch Rauch- und Dampfwolken durch die Mengen, die mit Holzwassereimern versuchten die verbliebenen Brände zu löschen. Schließlich fand Mo den Bürgermeister mit der breiten Goldkette neben der schwarzen (#edited#)te des Latein-Sprechers. Ungefähr da, wo heute der Schweinemarkt ist beaufsichtigten sie eine Löschkette, die vom hainbachgefüllten, neuen Schloßteich zum „Rathaus“ reichte. „Ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd!“ schnaufte Mo “…und eine Rüstung! Ich brauche Waffen!„

Auf und ab, auf und ab, auf und ab. Mo war zum Speien übel. „Oh mein Gott, scheuert das!“ Es war sein erster Ritt und hoffentlich auch sein letzter. „Wie kann man nur auf so schmerzvolle Art reisen?“, fragte er sich wohl schon zum hundersten Male, als er im Sattel hochflog. Von Uffenheim nach Pfeinach ritt er im scharfen Galopp, ließ dabei jedoch jeglich Eleganz vermissen und bot für die entgegenkommenden Reisenden einen willkommenen Anlass zu lautem Gelächter. Mitten im Pfeinacher Hintervordernacherundvorherforst schleuderte es ihn letztendlich aus dem Sattel. Das geliehne Pferd, das auf den Rufnamen Preeg(er) hörte, scheute als ihnen ein Schwall heißen Dampfes entgegeschwebte. Der Gestank war abscheulich - was mal wieder beweist, dass NICHTS auf der Welt an den Gestank von Drachenfürzen herankommt - dennoch trat Mo tapfer näher, dankbar über den mittelalterlichen Wäschzwicker, den er sich nach seinem unfreiwilligen Bad in der Gollach gebaut hatte. + Etwas unbequem war aber, dass sich diese blöde Rüstung beim Sturz etwas verformt hatte. Der Helm hatte links eine starke Delle, so dass Mo seinen Unterkiefer etwas sprachbehindernd nach rechts halten mußte, das Visier war so verschoben, dass Mo den Boden nicht mehr sah und der Harnisch scheuerte sehr nervig am Rippenbogen. Von all diesen Widrigkeiten unbeeindruckt zog Mo den Blechprügel aus dem Gürtel (er hatte sich schon in Uffenheim gefragt, ob die Rittersleute wirklich mit sowas gekämpft hatten) und stapfte mutig in die Richtung, aus der der Gestank und der Dampf kam, wild entschlossen die Jungfer Mel zu retten. „Klick….Pfffst“ machte es plötzlich! Nach einigen Verrenkungen in der vermaledeiten Rüstung konnte Mo auch die Ursache des Gräusches zu seiner Linken ausmachen. Ein Drache, aus dessen gerollter Zunge eine heiße, blaue Flamme schoß, einem Schweißgerät nicht unähnlich, war gerade dabei sein Schwert zu verkürzen. Ein weiterer Ruck in der Rüstung und Mo sah, dass er nur noch ein Stummelchen Schwert in der Hand hielt, der Rest war in glühenden Eisenbatzen auf den Waldboden getropft und begann dort den waldüblichen Mulchbelag anzukokeln. Der Drache, lag dabei ganz locker auf dem Waldmoos, den Kopf auf eine …hmmm..Pfote (?) gestütz, in der anderen Pfote ein Buch (??!!) und hatte ein eher amüsiertes „Grinsen“ im Gesicht. Erlegte das Buch beiseite und schob sich gerade die Brille auf die Stirn (?? was… die Brille ??). „Na, Ritterchen, willst dich wohl ein bisschen als Drachentöter profilieren?“ fragte er. Mo war echt baff! Das war definitiv NICHT das „Ungeheuer“, das gerade eben Mel entführt hatte! Ein Knacksen im Unterholz liess den Drachen den Kopf wenden. Mo der das auch versuchte, entging nur knapp einer schweren Wirbelläsion. Er mußte schließlich den ganzen Körper wenden und sich halb nach vorne beugen um aus den verfl… Sehschlitzen in seinem Helm zu sehen, wie Horgoth Hintermeier in demütig gebeugter Haltung und seltsamen Trippelschritten auf den Drachen zuging. „Has hachen schie henn hier“ lallte Mo mit schiefem Kiefer.

„Und wie schmeckt das Schogo-Zeug?“ mampfte die Drachin. „Ey sag mal, was wird das eigentlich? Was soll der Scheiß hier mit Entführung und allem?“ fragte Mel schon wieder fast die „alte“ (Motzerin). „Oooch, Mmpf, crunch, da denkt irgendeine hochstehende Drachigkeit, das ihr Humanowurmzeug im Stande seid, zu denken, was ich persönlich bezweifle, und meint deshalb, das wir Drachen die Verpflichtung hätten, euch Bildung beizubringen. Extra Schule gebaut, mit Internat, mächtig teuer! Und wir sollen jetzt einige *intelligente Exemplare* dazu überreden, sich freiwillig zu bilden.“ erzählte die Drachin belustigt. Mel hatte unterdessen in ihren Taschen gekramt, ob außer der kleinen MP3-Harfe vielleicht etwas brauchbares übriggeblieben wäre. Aus der LED-Lampe am Schlüsselbund war natürlich ein Kerzenstummel geworden, das 'Feuerzeug' bestand aus zwei (Feuer-)Steinen und ein bisschen Wollfilzzeug, aber die Gürtelschnalle war noch die Gürtelschnalle : eine Waffe mit der man eine Armee besiegen konnte! Das vielleicht nicht, aber sie hatte im TV schon mal Holzfällertypen gesehen, die mit was Gürtelähnlichem rasend schnell einen Baum hinaufkletterten, da müßte das doch auch runterwärts gehen, oder? Gedacht, Probiert! Funktioniert auch, man kommt affenschnell einen Baum runter. Eigentlich sogar schneller als affeschnell! Bei solchen Aktionen darf sich nix vorher überlegen, sonst ist das Überraschungsmoment weg, wenn auf halber Höhe der hochmodischen Gürtel reisst und man aus zwei Metern Höhe voll auf einen Drachenkopf knallt. Drachen schein zu rülpsen, wenn sie erschrecken und durch Mels Fall klickten auch die Zündzähne der Drachin ordentlich aufeinander. Das Ergebnis dieser Aktion hätte jeden Special.Effects-Filmfritzen zum weinen gebracht. Feuerball, zweimal hintereinander, gigantischer Durchmesser! Setzt sofort zwei, drei umliegende Bäume in helle Flammen und hätte bestimmt auch Mel „erleuchtet“, wenn die nicht sturzbedingt gerade schlammbedeckt und triefnass versuchen würde sich im Bach aufzurappeln.

Der Regen hatte die Brände in der Uffenheimer Innenstadt weitgehend gelöscht und die vielen „Kreuzzügler“ standen mit rußgeschwärzten Gesichtern nach den hektischen Löschaktionen etwas verloren herum. Da waren die zwei rieisgen Feuerbälle, die Richtung Custenlohr aus dem Wald aufstiegen geradezu die Initialzündung für neue Aktivität. Aus Uffenheimer Sicht konnte es nur so sein, das der kühne Ritter Mo den Drachen besiegt hatte. „Itzo die Zeit ist kummen, wo wir wollet Dankung saget dem Herrn für die wundersame Rettung vor der Bestiae Draconis“ donnerte der Mönch gerade vor einer Hundertschaft Kreuzzügler, „Lasset uns itzo eine Processio machen zum Orte der Rettung“ und dann noch das unvermeidliche „In nominem Domini!“. Dem immer noch Goldketten tragenden Oberratherren(?) bewegten zu diesem Zeitpunkt ganz andere Dinge, schließlich ging es um den halben Uffenheimer Stadtschatz, wenn der Ritter noch am Leben sein sollte. Er zog sich deshalb mit den anderen Ratsherren zu einer überraschenden Geheimsizung zurück ins noch rauchende Rathaus. Gerade eben, als Horgoth Hintermeier nach dem Sinn von Mos Genuschel fragen wollte, sah die Drachin die zwei aufsteigenden Feuerbälle hinter Horgoth (auch ohne Brille). Sie schoss hoch und rannte los. Mo, völlig überrrascht, da er nur Horgoth aus dem Augenwinkel durch das verbogene Visier seines Helms sehen konnte, wurde so nebenher durch einen Schwanzhieb gegen die nächste Buche geschleudert, während sich Horgoth durch einen bereits mehrfach geübten Hechtsatz in die nächste Hecke vor dem Niedertrampeln werden rettete. Dunkelheit umfing Mo. Das Visier war noch etwas mehr verbeult und hatte sich mit Waldhumus zugesetzt, aber dafür war die Beule im Kieferbereich weg, so daß seine Hilferufe zwar etwas dumpf aber doch deutlich verständlich aus dem Helm drangen. „Helfen Sie mir doch bitte aus dieser blöden Rüstung. Bitte!“