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Uffenheimer Krimi

Der erste Uffenheimer Thriller

Mitschreiben kann und soll jeder, aber achtet darauf, keine finalen Szenarien zu schreiben (etwa : Detektiv ersauft in der Gollach o.ä.) Angefangen etwa 2008. Schreiber: FunkSoulBrother, eljot und ein Absatz von Wallmersbacher.


Typisches Wetter wiedermal. Uffenheim liegt zwar gar lieblich im Gollauchgau, doch immer wenn das Verbrechen sein scheussliches Haupt erhebt : Dunklle tiefhängende Wolken und ein böiger, fast stürmischer Wind und die Gollach wird zum rauschenden, tosenden Wildbach. Es lag was in der Luft und das Wetter paßte dazu. Von innerer Unruhe getrieben, tigerte ich ein ums andere mal durch die verwinkelten, engen und unübersichtlichen Gassen der Innenstadt.

Die Stadt war wie leergefegt und die wenigen Menschen, die es wie ich nicht vermeiden konnten bei diesem Wetter auf die Straße zu gehen, verbargen ihre grimmigen Gesichter hinter Schlals, Mützen und sonstigen Dingen, die dazu dienten, einem entgegenkommenden Menschen bloß nicht anschauen, geschweige denn grüßen zu müssen. Warscheinlich war es ihnen aber einfach nur kalt. So wie mir.

Beinahe vergaß ich, warum ich mich heute in dieser Geisterstadt aufhielt und nicht nicht in der warmen Badewanne saß. Ich hatte einen Fall zu lösen. Die Person, die mich heute morgen in meinem Büro aufgesucht hatte, um mir den Fall zu übergeben, quasi mein Auftraggeber, war groß, schlank, elegant und weiblich; der personifizierter Ärger….

Philosophisch zählte sie bestimmt zu den Frühhegelianern, aber bei dieser Figur und zu dieser frühen Stunde, ich hatte wie immer um 11:00 Uhr gerade erst mein Büro betreten, dachte ich an die inneren Werte zuletzt. Ich hatte genug amerikanische Krimis gesehen um auf das Schlimmste gefaßt zu sein, aber dieser Auftrag war noch viel amerikanischer, als sich das ein eingewanderter Drehbuchschreiber ausdenken konnte.

Sich irgendwie lasziv auf dem Besuchersessel räkelnd, teilte mir dieser Vamp mit, dass mir zum einen eben eine Politesse einen Strafzettel an die Windschutzscheibe meines 78er Golf geheftet habe, und sie mir zum anderen den doppelten Tagessatz anböte, wenn ich für sie eineAktentasche aus einem bestimmten Schließfach der Bomhardschule hole und ihr am Hintereingang des Restaurants „Sicilia“ übergäbe. Ich sollte Punkt 20:45 mit laufendem Motor dort warten!! Laufender Motor ? „Sicilia“ ? Da war doch an diesem Tag das alljährliche Treffen der „Freunde der Uffenheimer Oper“, das gesellschaftliches Ereignis in unserer an gesellschaftlichen Ereignissen nicht gerade armen Stadt. Nun es hörte sich zwar etwas seltsam und geheimnisvoll an, aber ich hatte wohl einen leichtsinnigen Tag und nahm den Auftrag an.

Und das hatte nun ich davon. Völlig durchnäßt stand ich endlich vor dem gelb-orange gestrichenem Hauptbau der Christian-von-Bomhard-Schule. Es war ca. 15:00 Uhr und die achte Schulstunde schien in Kürze anzufangen, denn ein Haufen von Oberstüflern lungerte vor einem Klassenzimmer herum und warteten wohl darauf möglichst schnell eingelassen zu werden, um es dann möglichst schnell wieder verlassen zu können. Doch die kühle Härte der misstrauischen Blicke, die sie mir zuwarfen strafte den Schein ihrer müden Augen Lügen. Direkt neben der Gruppe fielen mir die Schließfächer ins Auge die mit Zahlenschlösser gesichert waren. Wenn der Dietrich für Diebe erfunden wurde, dann das Brecheisen für Privatdetektive. Mir gefiel dieser Gedanke. Doch angesichts der Meute Schüler, von denen die meisten nicht danach aussahen, als ob sie den ganzen Tag nur Bücher wälzen und an Muskelschwund leiden würden, wäre das reiner Selbstmord gewesen.

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als auf den Kontaktmann zu warten, den ich hier treffen sollte.

Mißtrauisch beäugte mich die Meute, und ich erwog schon, mir ein unauffälligeres Plätzchen zu suchen, da bog ein Schüler um die Ecke, der sich vom Mob ziemlich deutlich unterschied. Der Mann verbrachte vermutlich alleine zum Draperen des Hemdkragens mehr Zeit vor dem Spiegel als ich in einer Woche. Die Hände waren sicher nicht daran gewöhnt, am Wochenende bei der Zuckerrübenaufzucht zu helfen und auch sonst sah er meiner Auftraggeberin im gewissen Sinn ähnlich.

„Na, warten Sie auch mich ?“ knurrte er in einer mit einer ziemlich hohen und brüchigen Stimme und ließ im Vorbeigehen unbemerkt von den anderen einen Zettel in eine der geräumigen Taschen meines Parkas gleiten. Nachdem er um die Ecke verschwunden war, ließ ich noch die Hab-nichts-damit-zu-tun-Minute verstreichen und öffnete dann mit der sinnigen Kombination 007 den Schrank mit der Nummer 8. Sie können sich meine Verblüffung vorstellen, als ich darin

die Bombe erblickte.

Naja „Bombe“ … Es war eigentlich nur ein Wecker mit dieser veralteten, roten LED-Anzeige. Weckzeit : 20:46 !! Darunter ein Ausgabe der „Bäckerblume,“ aufgeschlagen auf der Kreuworträtselseite und mit einem gelben Port-It-Zettel versehen . „Ich rechne mit Dir und mit deiner Intelligenz“ stand darauf. Wir waren jetzt also schon per „Du“ ! Na das war ja nicht die Wucht an Information. Ich verstaute den Inhalt des Schließfachs in meiner Schultasche (Tarnung ist alles) und machte mich auf den Weg in mein Büro

Bei einem guten Whiskey und einer filterlosen Zigarette (pfeiff auf die political correktness, nach der nur noch Bösewichte in amerikanischen Filmen rauchen) nach guter Bogart-Art blätterte ich in der „Bäckerblume“. Nicht gerade das, was ich jeden Morgen vor dem Aufstehen vertragen würde, aber kein erkennbarer Zusammenhang; doch da blieb ich beim gelösten Kreuzworträtsel hängen : Sinn des Lebens mit 14 Buchstaben : „ORAETLABORA“ und 3 Kästchen frei ? Und ich fand noch mehr : bekannte Warenhauskette aus Amerika (wollwert) mit 9 Buchstaben war mit „NECKERMAN“ ausgefüllt und hier, senkrecht marktwirtschaftlicher Imperativ mit 4 Buchstaben : „HEXX“. Ich machte mit eine Liste der falsch ausgefüllten Begriffe :

  • marktwirtschaftlicher Imperativ mit 4 Buchstaben
  • Sinn des Lebens mit  14 Buchstaben
  • hölzernes Mundpflegeinstrument mit 11 Buchstaben
  • bekannte Warenhauskette aus Amerika (wollwert) mit 9 Buchstaben

Aha ! Ein Blick aus dem Fenster : immernoch wie leergefegt und kalt. Den letzten Schluck runterschüttend hatte ich schon meinen Trench an und machte mich auf den Weg.

„Kauf 42 Zahnstocher (bei) Woolworth“ ? Ein mysteriöser Auftrag, aber einer, der den Spesensatz in erträglicher Höhe hielt. Die Verkäuferinnen muffelten wie üblich irgendwo in einer Ecke des weitläufigen Uffenheimer Woolworthbuildings herum und ich konnte ungestört in der Haushaltsabteilung nach den Zahnstochern wühlen. 42 Zahnstocher ! Wo es nur 100-Packs gibt! Ganz unten im Regal fand ich dann doch noch ein Päckchen, das sich schon wegen des pinkfarbenen Labels von den anderen abhob, und bei dem auf der Packung tatsächlich „42 1a-Zahnstocher - Fa Hohlmayer/Eggenfelden - Holzkörperpflegemittelfabrik“ angegeben war.

Wieder zuhause zündete ich mir die übliche Zigarette an (egal was das Drehbuch fordert !) legte die Füsse auf eine Schreibtischkante und genoss den 3 Whiskey an diesem Tag in kleinen Genieserschlucken. Die Packung mit den Zahnstochern provozierend unbeweglich vor mir auf dem Schreibtisch. Was wollte die Lady mit den Zahnstochern ? Warum ausgerechnet diese ? Eggenfelden ? da war doch was ?

Ja Eggenfelden. Langsam lichteten sich die Nebel in meinem Kopf und ich erinnerte mich an einen jener Abende an denen ich mich vor der Langeweile des Lebens in die Fernsehwelt (und Whiskeywelt) geflüchtet hatte. War Eggenfelden nicht der Heimatort einer Ausgeburt von einer dieser Castingshows, in denen Musikalität verboten zu sein scheint? Und hatte eben diese Ausgeburt nicht vor ein paar Tagen einen schweren Autounfall verursacht und überlebte nur, weil ein hinzukommender Autofahrer Zivilcourage zeigte und den Unfallverursacher aus dem Autowrack befreite? Der Retter tut mir übrigens jetzt schon leid…zum einen muss ihn natürlich für sein beherzten Eingreifen loben, zum anderen hat er damit den Hass von guter Musik liebenden Menschen auf sich gezogen. Wann kommt es schon mal vor, dass eine Landplage sich selbst auslöscht? Aber wie hingen diese pechschwarzen Gedanken mit den Zahnstochern zusammen? Ich wusste es nicht. Verdammt ich brauchte Hilfe und Infos über meine Lady.

Ich beschloss Jacco zu fragen. Jacco war Pianist in einer kleinen, aber äußerst feinen Jazzbar, die sich zum Dreh- und Angelpunkt der Uffenheim High-society etabliert hatte. Keiner wusste besser über die Schönen und Reichen bescheid, als er. Nur, ich will nicht über mich selbst urteilen ob ich schön bin, aber eins war gewiss nicht…reich. Der Türsteher würde mich in hohen Bogen wieder vor die Tür setzen. Ich musste ein Weg finden in die Bar zu kommen und möglichst unmöglichst unauffällig mit Jacco zu reden. Da fiel mein Blick auf meinen guten, alten Fender Jazzbass.

Den Kragen hochgeschlagen und den Bass im Koffer klingelte ich an der Clubtür in einer Seitengasse der Schloßstraße. „Du komms hiernichrein“ sagte Türsteher in bester „Kanaksprach“ fast ohne mich anzusehen. Auf meine lockeres „Hey ich bin die Musik“, musterte er mich und winkte mich dann doch mit einem „Hey, Lieferant is konkret hinten, du Arsch“ in den engen Gang. Schon nach wenigen Metern dirigierte er mich mit „Ey, Musikarsch, Garderobe is voll da rechts“ in einen noch engeren Gang mir funzeliger 20Watt-Beleuchtung. „Jakob Schmidt“ stand an Jaccos Tür, ich klopfte kurz und trat ein.

Jaccos Frisur war wuschelig wie immer und er strahlte diese Weltfremdheit aus, wie immer. Davon darf man sich nicht täuschen lassen, Jacco wußte immer Bescheid, über fast alles. Ich erzählte ihm kurz die Story soweit ich sie bisher wußte und fragte ihn, was er von der Sache halte. „In Eggenfelden ist die Zahnstocherfirma?“ fragte er nach, „da wird eine irrsinnige Story erzählt. Der Küblmensch (viel Verachtung in der Stimme) hat ja vor seinem Superstar-Ding versucht, einen Job als Oberammergauer Herrgottsschnitzer zu kriegen. Ging natürlich schief. Er hat dann einige Zeit in einer Zahnstocherfirma gelernt, weil da auch geschnitzt wird und er nach der Lehre vielleicht…Ha“. Es bereitete ihm sichtlich Mühe, seine Superstarallergie in den Griff zu kriegen, immer wieder wurde er von schweren Niesattacken unterbrochen „..tschie. Jedenfalls sollen die letzten von Küblböck handgeschnitzte Zahnstochern unter Fans 6-stellige Summen wert sein. Und hast du von dem Unfal gehört?“ Natürlich hatte ich das, war ja kaum zu vermeiden. Wenn Delmenhorst komplett verschwunden wäre, hätte es auch kein größeres Presseecho gegeben. „Das war KEIN Unfall“ sagte Jacco, „das sollte ein perfekter Mord werden! Aber ich muss jetzt raus, mein Job ist schließlich die Musik“.

Ich hatte auch erst mal genug Information; Küblböck-Zahnstocher waren das also und sie waren ne Menge Geld wert.

Ich habe noch einen „Kumpel“ in Passau, der mir noch was schuldet. Wieder zuhause goß ich mir einen Whiskey ein (der wievielte heute ??) und wählte Tonis Nummer. Angeblich ist Toni der Kellner in einer Pizzeria in Passau, aber vom Trinkgeld konnte er wahrscheinlich noch nicht mal die Steuer von seinem Ferrari zahlen. Ich erzählte Toni die Story, ohne Jaccos Anmerkugen und er hatte tatsächlich noch was Neues zu bieten.

Die ganze Sache war von der Mafia geplant; von Anfang an. Gurkenlaster, Küblböck-Gurkenversteigerungen bei eBay, Exclusiv-Pressekonferenz der Ärzte, alles sauber eingefädelt. Wäre natürlich noch mehr Geld drin gewesen, wenn Küblböck den Unfall nicht… naja. Auf das Stichwort „Zahnstocher“ wurde Toni etwas fahrig, und behauptete seinen Ferrari gerade jetzt aus dem Parkverbot fahren zu müssen. Ich schmiss den Hörer wieder auf den Telefonapparat und dachte erst mal nach.

Ein Blick auf die Uhr ließ mich hochschrecken. Schon 18:30 Uhr! War mein ursprünglicher Auftrag eine Aktentasche zu liefern immer noch gültig? Nein, dass war nur ein Vorwand mich in einen größeren Fall zu einzubeziehen.

Ich hörte die Schritte nicht und ebenso nicht das Knarren der Holztreppe, die zu meinem Büro führte. Auch hatte niemand geklingelt, doch plötzlich standen sie meinem Büro. Vier Männer, alle in schwarzen, italienischen Designeranzügen mit schwarzen Sonnenbrillen. Ein Wolke Cherruti Image. vermischt mit einem Hauch Pizzeria hülte mich ein. Bevor ich meine Füße vom Ikea-Schreibtisch nehmen konnte, lächelte mich die Mündung einer Desert Eagle herablassend an. (Metapher mit Personifikation! Mein ehemaliger Deutschlehrer ware stolz auf mich gewesen).

„Du bist es also, von dem Seniorina de la Campo so schwärmt?! Enttäuschend. Du scheinst nicht sehr deinem Leben zu hängen, sonst wärst du vorsichtiger.“ Mit diesen Worten und eindeutigen Akzent steckte der Sizilianer die Kanone weg. Er schien meine Verwirrung zu spüren. „Nein Raggazo, wenn wir dich töten wollten wärst du jetzt schon tot, wir brauchen dich (wie beruhigend). Wir haben dich beobachtet und Du bist in deinen Ermittlung erstaunlich weit gekommen. Wir wollen, dass du für uns arbeitest!“

Ich in den Reihen der Mafia? Hatte ich eine Wahl? Natürlich nicht. Es wehte ein lauer Wind, als ich von den vier Pinguinen begleitet in die schwarze Limousine einstieg. Während der Fahrt erklärte mir mein neuer Freund Luigi die Zusammenhänge. War ich wirklich in den Händen der sizilanischen Mafia?? Ich konnte es immer noch nicht fassen.

Es war ein klassischer Fall. Die Mafia kontrollierte bis vor geraumer Zeit uneingeschränkt heimische Zahnstocherindustrie und die damit zusammenhängende Verteilung an zahlreiche italienischen Restaurants im Freistaat. Mit dem Erscheinen der Küblböckzahnstocherkollektion trat eine lästiger Nebenbuler auf die Bildfläche, den es zu beseitigen galt und da die Betonschuhmethode nur in Städten mit großen Brücken über großen Flüssen funktioniert musste der künstliche Unfall her.

Die Fahrt kam mir ewig vor und endete (wie Klischee-behaftet) im Hinterhof der „Sizilia“. Die „Freunde der Uffenheimer Oper“ waren schon kräftig am Feiern als ich durch eine Hintertür in eine Lagerhalle geschubst wurde. Ich stand im Halbdunkeln vor einem langen Tisch, an dem ich ein paar bekannte Gesichter erkannte. Wie ich mir schon gedachte, die Auftraggeberin, außerdem noch der Schüler der mir die Kombination in die Tasche geschoben hatte und…..ich erstarrte vor Schreck….

Jacco! Er grinste mich an, während er auf einem batteriebetriebenen Aldi-Keybord (Bontempi, 61 Naturdarmtasten und viele Begleitfunktionen) im flotten Reggea-Rhytmus (oder Rythmus oder Rhythmus?) den Gefangenenchor aus Nabucco fidelte. Na gut, die Veranstaltung war schließlich das Jahrestreffen der „Freunde der Uffenheimer Oper“, da war Reggae-Nabucco gar nicht so übel.

Luigi plazierte mich mit sanftem Druck auf einen Stuhl ausgerechnet neben Jacco und flüsterte „Du bleibe hier, bisse Monsignore habe Zeit“. Na, esse ich eben was, der viele Whiskey den Tag über hatte mich richtig hungrig gemacht. Überraschenderweise sah ich auf den Tischen neben den Pasta-Köstlichkeiten auch Leberknödelsuppe und Schweinsbraten. „Wunderst dich, was?“ plauderte Jacco ganz locker, „hier gibt's Essen bis zum Abwinken, 500€ Gage und Infos en masse“.

Er drückte einige bunte Tasten und fuhr fort :„Der Typ da drüben neben Seniorina de la Campo, der aussieht wie der selige 'Scarface' Al Capone nach einem Treffen mit Freddy Krueger, ist der 'Monsignore' Franz Xaver Schicklgruber, gerade eben direkt aus Passau eingetroffen. Ist ein großer Mafia-Fan, mag aber das italienische Essen nicht, deshalb der Schweinsbraten. Mir soll's recht sein.“ Jacco drückte auf ein paar Tasten und das Keybord wechselte nahtlos von Nabucco zu Aida; auch Gefangenenchor, aber diesmal als flotte Samba. Er grinste mich an und machte sich über seinen Braten her.

Wärend mein Tischnachbar immer mit Betonung auf die 2 und die 4 den Schweinsbraten verdrückte, nahm ich mir aus einer großen Schüssel eine ordentliche Portion Gnoccis. Als meinen Teller in Rekordzeit beinahe gelehrt hatte, fiel mir erst die Stille auf die mich plötzlich umgab. Ich sah auf und blickte in fünf erstaunte Augenpaare.

„Es freut mich, das es ihnen schmeckt Segniore.“ hörte ich die Stimmer der Segniorina. „Darf ich vorstellen!? Segnior Privatdedektiv Rather Short“ (das war natürlich nur mein „Künstlername“ der auf der Glastür meines Büros eingraviert war), „er wird ab nun für uns arbeiten, nicht war?“ In diesem Moment versuchte ein besonders großes Gnocco (?? Einzahl?), meiner Luftfröhre einen Besuch abzustatten, was dazu führte, dass ich mich ein heftiger Hustenreiz überfiel. „Ich nehme an, das war gerade eben ein 'Ja'. Hier ihr erster Auftrag…….“

„Hust. Moment… Hust, ich habe schon einen Auftraggeber“ pokerte ich und fixierte dabei das Augenpaar der Signorina genau dazwischen, also eigentlich blickte ich auf die Nasenwurzel. Das verwirrt irgendwie (hoffe ich wenigstens) und mir bleibt auch nichts anderes übrig, weil ich das in die Augen schauen nicht so beherrsche; ich kann mich nie zwischen dem linken und dem rechten Auge entscheiden, und das macht mich unsicher. Also schaue ich auf die Nasenwurzel. Die der Signorina zuckte leicht. Spielte die Dame gar ein (mindestens) Doppelspiel ?

„Dös is egal, dös känzelt's“ sagte befehlend die die wahnsinnig hohe Stimme des Augenpaars direkt neben der Signorina. Der „Monsignore“ hatte gesprochen! „Mein Satz ist : 400 Euro pro Tag plus Spesen und 10% Erfolgsbeteiligung“ leierte ich mein Sprüchlein herunter und dann noch ganz harmlos „Für Uffenheimer ! Für niederbayerische Italiener kostet es einen 100er mehr“. Daraufhin wurde der Schicklgruber etwas rot im Gesicht und fistelte :„ Tschiani; zeigerts dem Hundling“, worauf sich einer der Riesenpinguine namens Gianni in Bewegung setzte. „OK, OK Normaltarif für interessante Aufgaben. Worum geht's“. Giannis Blick zum Monsignore wurde Gottseidank mit einem unwirschen Schütteln beantwortet, worauf der Pinguin sich wieder trollte.

„Koane Faxen mehr Büarscharl“ sagte Schicklgruber, „Mir kennat a ugmiatli wearn“; der Dialekt war schlimmer als das Eau de Cologne, das der Franz Xaver aufgelegt hatte. Er erklärte mir, dass er alleine - aus liebe zur Musik - für die Karriere des Daniel Kübkböck verantwortlich wäre, deutete an, wieviel Schmiergeld und sonstige finanzielle Verluste ihm das bisher eingebracht habe, und dass er jetzt endlich sein „Göid“ samt Zinsen wieder zurückhaben möchte. Eine unwichtige („Naman denan nix dazua“), aber sichere Quelle habe ihm versichert, dass sich die letzten und einzigen noch existierenden Küblböck-Zahnstocher in Uffenheim befänden. Meine Erfolgsbeteiligung könne ich mir wohinstecken, ja ich könne bereits erfreut über die vermutlich eintretende Tatsache sein, das ich das Gebäude nicht ohne wichtige Körperteile verlassen würde. Wir „einigten“ uns auf pauschal 5000 € und 24 Stunden zur Lösung des Falles; kommt in letzter Zeit in Mode, das mit den 24 Stunden.

Der Schüler-Schönling wurde mir als Xavier Astutopozzi vor, und trotz meiner wütenden Proteste als Aufpasser zur Seite gestellt. Der Xavier war nach dem Dialekt zu urteilen 100% ein Xaver, nur was Astutopozzi auf niederbayerisch heißt fiel mir in dem Moment nicht ein. Jetzt brauchte ich aber wirklich einen Whiskey. Ich ging die kurze Strecke von der Sizilia zu meinem Büro zu Fuß, der Xaviere fuhr in einem tiefergelegten kleinen Schwarzen im Schritttempo hinterher. Ich schlug ihm die Türe vor der Nase zu, er konnte es sich ja im Auto gemütlich machen. Ich lies mich in meinen Denksessel fallen, goss mir einen großen Whiskey ein und ließ neben dem Whiskey auch meine Gedanken kreisen.

Astutopozzi, Astuto pozzi, irgendwie kommt mir das bekannt vor. Und was soll der Scherz der werten Signorina ? Erst schickt sie mich die Zahnstocher sichern, und dann erhalte ich indirekt über den „Monsignore“ den Auftrag, die von mir versteckten Zahnstocher binnen 24 Stunden zu finden ? Macht eigentlich keine Sinn. Der einzige der hier ehrlich spielte, schien Monsignore Schicklgruber zu sein, dem ging es wirklich um sein „Göid“. Ich warf noch sicherheitshalber einen Blick in das Geheimfach des Schreibtischs; JA die verdammten Zahnstocher waren noch da, und versank in Brüten über die Verworrenheit der Welt und dieses Auftrags.

Astuto = schick,raffiniert fiel mir plötzlich aus meinem VHS-Kurs „Italienisch für blutige Anfänger“ wieder ein und auch sonst schoß mir einiges durch den Kopf. Man muß das Gehirn manchmal einfach leer laufen lassen und sich drehenden Whiskey anschauen, dann kommt's. Ein Mausschubser und der Bildschirmschoner verschwand. Der Online-Übersetzer lieferte für „pozzi“ : „Pools, Gruben“ : BINGO : Astutopozz=schick Gruben= Schicklgruber. Ha!

Der Schüler-Schönling Xavier Astutopozzi ist eigentlich Xaver Schicklgruber ! Auf den ersten Blick sieht er seinem Papa nicht sehr ähnlich (dafür sollte er jemandem seeehr dankbar sein), aber die brutalen geldgierigen Augen : ganz der Papa.

Und jetzt zähle ich mal eins und eins zusammen : sein Name Xaver Schicklgruber und die Augen vom Papa, sonst sieht er aus wie die männliche Ausgabe von Seniorina de la Campo, im Uffenheimer Gymnasium ist er wegen des landesweit bekannten Internats. Mama will Papa eins auswischen, oder braucht Geld, oder hat sonst einen Grund, ihren ehemaligen (???) Geliebten/Gatten über den Tisch zu ziehen, Sohnemann macht bei Mama mit, ist also scheinbar auch nicht gut auf seinen Erzeuger zu sprechen (wenn er denn weiss, dass Monsignore Schicklgruber sein Papa ist!). Soweit schien mir alles klar; nur wie sollte ich aus diesem intriganten Schlamassel mit heiler Haut wieder herauskommen ?

Whiskey hatte ich noch genügend und eigentlich auch schon genug, aber mein Nikotinpegel erreichte Rekordtiefen; und von meiner Sorte gab es erst an Autobahn-Tankstelle welche. Sollte ich die Fahrt in meinem Zustand riskieren ? Nein, wozu hat man denn seine Aufpasser, sollte mich doch der Xaver fahren. Grinsend warf ich meinen Trenchcoat über, kippte den letzten Schluck und machte mich auf den Weg nach unten.

Gegenüber, im Schein der trüben Straßenlampe saß Xaver in seinem tiefergelegten Twingo. Vertieft in die Lektüre einer Zeitschrift, von der er bei dem funzeligen Licht bestenfals die Bilder erahnen konnte, bemerkte er mich nicht, bis ich heftig die Beifahrertüre aufriss und laut „Buh!“ rief. „Kleiner Scherz in der Abendstunde“ sagte ich und lies mich auf den Sitz fallen. „Als Aufpasser muss man aber besser aufpassen, sonst kann der Augepaßte ja tun was er will. Fahr los“. Noch erschrocken und ich wette mit roten Ohren warf er die Zeitschrift nach hinten und startete seine Rennmaschine. „Wohin wollen Sie den fahren“ fragte er und bog auch schon richtig auf die Würzburger Straße ein. „Paßt schon, mein Sohn, immer gerade aus“.

Schweigend starrten wir in die von den Nebelscheinwerfern zerteilte Nacht, bis Gollhofen hinter uns lag. „Fahr zum Autohof“ murmelte ich und überlegte angestrengt, mit welchen Fragen ich wohl weiter käme. Nach dem ersten tiefen Zug, fragte ich den bis dahin schweigenden Xaver : „Bist du eigentlich schon lange in den Diensten von Monsignore?“. „Bin ich überhaupt nicht“ antwortete er fast empört, „meine Mutter meinte nur, ich solle Sie nicht aus den Augen lassen und hat das so arrangiert, das der Monsignore mich als Aufpasser mitschickt“. „Fahren wir über Langensteinach zurück“ schlug ich vor. Auf der Autobahn war der Motor dann jenseits der 120 km/h doch etwas laut, so daß ich zu ihm hinüberbrüllte : „Magst du den Monsignore?“. „Von dem weiss ich fast nichts“ schrie er zurück, „ich habe den gestern zum ersten Mal gesehen, als er bei meiner Mutter zum Kaffetrinken war. Irgendwie finde ich den Scheisse“. Wenigstens da waren wir einer Meinung.

„Und warum gehst du ausgerechnet in Uffenheim ins Internat? Xavers Antwort kam ein hunderstel Sekunde um als vollständige Anwort durch zugehen. „Nun Mutti meinte, es wäre besser für mich in einer keineren Heimschule mein Abi zu machen, als in so einem Massengymnasium in München, oder so.“ Ja, natürlich war nur die mütterliche Fürsorge ein Grund für die Uffenheim-Wahl. Etwas hinderte mich bei dieser Mutter das zu glauben. Es musste noch einen anderen Grund geben. „Lust auf ein Bierchen?“ „Nein danke ich drinke nicht im Dienst“ war Xaveirs ernüchternde Antwort. Ich musste mehr über Xaver Jr herausbringen und ich beschloss dies am nächsten Morgen bei seinen Mitschülern zu versuchen. „Na gut, dann bring mich jetzt heim, ich muss morgen früh aufstehen.“

Der Wecker klingelte pünktlich aber viel zu früh um halb acht. Ich vollzog mich einer Katzenwäsche, kleidete mich an und ging aus dem Haus. Wie abgemacht erwartete mich Xaviere bereits im Twingo und nahm mich mit Umweg über Bäcktro mit in die Schule. Ich hatte ihm natürlich nicht die Wahrheit meines plötzlichen Interesses an seiner Schule erzählt, sondern ihm aufgeschwatzt, ich müsste mal wieder einen alten Bekannten besuchen. Xaver nahm diese Erklärung nur mit einem leichtem Nicken zur Kenntnis. Erst später wurde mir bewusst, wie schwachsinnig meine Lüge geklungen haben musste. Wer wollte um alles in der Welt einen Bekannten und noch dazu einen alten ausgerechnet in der Schule treffen. Aber Xaver hackte nicht nach. In der Schule angekommen folgte ich Xaver in den Westbau, stellte mich den Schülern der K12 und dem verdutzten Physiklehrer als „der neue Praktikant“ vor und setzte mich mit, für mich selbst erstaunlichem Elan in eine Bank. Der Unterricht begann mit einer heiteren Diskussion über die neusten Skandale im Blindengolf, neuste Errungenschaften im Bereich der magnetischen Esoterik und über die Möglichket im Erdmittelpunkt zu schweben in der sich mein Aufpasser auffallend still verhielt. Auch im weiteren Unterricht in dem sich die Schüler Versuche mit elektromagnetischen Schwingungen, die sich von einem Dipol in den Raum lösen und so drei Lampen an einem anderen Dipol zum Leuchten bringen erhob Xaver kaum seine Stimme. Nach der Stunde verschwand er. Auf dem Rückweg zum Hauptbau sprach ich zwei Schüler aus dem Physikkurs auf Xaver an. Beide von ihnen waren groß; gewachsen, der eine etwas breiter mit sich lichtemden blonden Haare, der andere im Vergleich etwas schmächtiger mit dichten, blonden Locken (also beide der sog. nordische Typ). „Ja welchen Xaver meinen sie jetzt da?“ Auf meinen verdutzen Blick hin, erklärte mir der Kräftigere:“ Wir ham zwei Xavers in der Klasse. Den einen aus 'Wieblsa und den einen aus, äh wo kommt der noch mal her?„ Ja genau den zweiten meinte ich. „Geborener Neapolitaner, glaub ich, aber aufgewachsen in Passau. Spricht fließend deutsch und italienisch, zeigt des aber nicht zu oft, schließt sich manchmal weng aus. Die Mädls halten ihn aber für den bestgekleidetsten Jungen aus der Klasse, aber unserereins hat halt keinen Schrank mit Giannni Versage Anzügen damheim rumstehen.“ „Ja, manchmal steht er da und macht den Eindruck als würde er irgendwas verkaufen wollen um sein letztes Designerhemd abzubezahlen“ lachte der Schüler mit schwarzer Brille und blonden Locken. Bingo, dass ist es also. Der liebe Xaviere versucht hier irgendetwas unter Schülervolk zu mischen. Die zwei waren gar nicht so dumm,.wie der eine zumindest aussah, sie wussten es warscheinlich nur nicht.

Aber was sollte er verchecken? War der liebe Xaviere etwa ein kleiner Drogendealer? Aber warum dann das ganze Trara mit den Zahnstochern und Mafia? Außerdem hatte er da doch in München ein viel größeren Absatzmarkt. „Geborener Neapolitaner….“ Die Worte des einen Schülers schwirrten mir immer noch im Kopf herum. „Geborener Neapolitaner….“ In diesem Moment glitt mein Blick auf ein Rundschreiben, dass auf dem Schwarzen Brett der Schule aufgehängt war.Elternbeirat setzt sich gegen den Verkauf von Süßigkeiten in der Schule ein. Nachdem der Elternbeirat bereits ein Kaffeeverbot für alle Schüler durchringen konnte….

Das reichte mir. Es mir wie Schuppen von den Haaren: „Geborener Neapolitaner….“ Neapolitaner!!! Xaver verdient sich was dazu, indem er verbotenerweiser Naschzeug an die kleinen 5 und 6 Klässer verkauft. Und dazu gibts noch einen schönen Zahnstocher, einen Küblböck-Zahnstocher! Das macht die Zähne wieder sauber und verscheuert Papas Kapital…

Geschickt eingefädelt, Fräulein Campo….

„Nein! So bescheuert kann kein Drehbuchautor sein!“ meldete sich der logisch denkende Teil meines Hirns und verkochte die aufkommende Euphorie. Der Xaviere verschleudert doch nicht Objekte, die -unter Fans- den Gegenwert von mehreren Daimler-Chrysler-Aktien hatten, einfach als Servicezugabe zu illegalen Süßigkeiten !

Das war nicht des Pudels Kern (mit diesem Goethe-Zitat steigt der literarische Wert dieser Story um weitere 300 Punkte!). Ich wandte mich wieder an meine beiden Gesprächspartner : „Welchen Kurs hat der nichtlokale Xaver denn jetzt ?“. „Och, ich glaube Latein-Leistung, im Ostbau“, antwortete der Bebartete, „da müssen wir jetzt aber nicht hin. Schönen Tag noch“. Also schlenderte ich als Praktikant in den Ostbau. Auf der Treppe dort fragte ich eine lockige Brünette mit französischem Touch, wo denn der Latein-LK residiere, und ob ich dort den Xaviere treffen könne(„Brünette“ kann falsch sein, da ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, was das für eine Farbe sein soll. Ich finde die meisten Leute haben mehr oder minder brauens Haar!)

Freundlich, in Deutsch (ich kann nicht Französich) mit leicht Fränkischem Einschlag, erklärte sie mir den Weg, um dann noch zu erwähne, das sie Xaviere gerade eben zum „Brüggla“ gehen sehen habe. Puh, da ist das Geld doch schwerer verdient als gedacht, erst vom West- in den Ostbau und jetzt womöglich noch zu Fuß in die Stadt…

Natürlich ließen sich die ahnungslosen Schüler auf derartiges ein, da sich niemand bewusst war um welche Form von VERBRECHEN es sich handeln KÖNNTE! Die Zahnstocher wurden danach wieder gesammelt, zerhäkselt und neue daraus gemacht! Da hat sich aber jemand richtig verplant, denn Schüler sollen ja auch nicht dumm sein!…..

Mißmutig machte ich mich Richtung „Brüggla“ auf den Weg, mit blieb aber auch nichts erspart. Erst Phantastisches aus der Physik, wo ich noch nie was durchblickt habe, und nun der Actionteil meines Auftrags, statt meines Lieblingsfachs Latein, wo ich schon als Schüler alle Noten hatte, oder ?

Schon weit vor dem Trafohäuschen, roch ich den halbkalten Zigarettenrauch. Nicht ungewöhnlich an dieser Stelle, aber ungewöhnlich zu dieser Zeit (während der zweiten Stunde). Noch ungewöhnlicher : Xaviere raucht gar nicht ! Als ich nach den tiefhängenden Zweigen am Trafohäuschen die Lage wieder überschauen konnte, sah ich gerade noch eine schlanke Gestalt mit Hut und langem schwarzen Ledermantel in Richtung Fußballplatz verschwinden. Xaviere war das jedenfalls nicht, schon wegen des Hutes.

Auf dem „Brüggla“ stehend überlegte ich, was jetzt zu tun wäre, als ich ein leises Stöhnen hörte, mit viel Echo, aber ziemlich leise. Links war niemand zu sehen, rechts auch nicht, der Schülerparkplatz war zwar gut bestückt, aber ebenfalls menschenleer und von der Schule kam ich gerade. Nach der Holmes'schen Ausschluß-Regel blieb nur noch „oben“ oder „unten“ übrig. „Unten“ war richtig! Xaviere lag auf dem Rücken, halb im Bach, aber voll im Matsch, den Gucci-Schnürsenkel und den Rest der Garderobe konnte er wohl entsorgen. Er hielt sich eine leicht blutende Wunde am Hinterkopf, stöhnte erneut und schaute mich fragend an.

„Nö, nö, ich war's nicht“ betonte ich erstmal, und fragte dann, was vorgefallen sei. Er druckste herum und umschrieb das ganze blumiger als ich hier Platz habe, aber es war zusammengefaßt so : Xaviere hatte unterm „Brüggla“ etwas ziemlich Wertvolles deponiert, wollte das gerade holen, als er von hinten eine über den Schädel bekam. Ach ja, Das Wertvolle war natürlich nicht mehr da. Natürlich wollte ich wissen WAS denn Wertvolles gestohlen wurde. Er druckste herum und behauptete schließlich mit einer Miene, die Ironie ausdrücken sollte : „Zahnstocher“ ! Ich weiss wenn jemand lügt, und bin jeden zweiten Samstag selber ironisch, aber das war weder gelogen, noch ironisch ! Er sage die Wahrheit, es waren tatsächlich Zahnstocher, aber weil das so absurd klingt, dachte er, jeder würde denken, er wolle den Frager veräppeln, was aber…. Nun ja, ich bin der Überzeugung, dass er tatsächlich Zahnstocher irgendwo unterm „Brüggla“ versteckt hatte; Küblböck-Zahnstocher natürlich. Stellte sich mir die Frage, wer die jetzt hat und wer dem guten Xaviere die Beule verpaßt hat.

Xaviere trollte sich unter Ächzen und Stöhnen ins Internat um sein Äußeres wieder in annehmbare Form zu bringen. Da hatte ich bestimmt den restlichen Vormittag keinen Aufpasser, und ich könnte tolle Sachen anstellen, ohne das Monsignore was davon erführe, wenn….tja, wenn mir irgendwelche tollen Sachen eingefallen wären! Die Schule übte wie immer ihren bösen Zauber auf mich aus; schon als Schüler ist mir immer nichts Tolles eingefallen, sobald ich das Schulgelände betreten hatte. Mir ist meistens sogar garnichts eingefallen, wenn mich auch noch jemand gefragt hat (Lehrer zum Beispiel :???: ) Die schrille Klingel (an der CvB haben sie wiklich eine schrille Klingel!) verkündete das Ende der 2. Stunde und damit die große Pause, gleich würde es hier von Nikotin-Junkies wimmeln. „Nun, fast zehn, da könnte man sich auch als Privatdetektiv mal im Büro sehen lassen“, dachte ich mir und machte mich auf den Weg.

Im Büroangekommen, zündete ich mir die übliche Zigarette an (immernoch egal was das Drehbuch fordert !) legte die Füsse auf eine Schreibtischkante und genoss den ersten Whiskey an diesem Tag in kleinen Genieserschlucken. Ja, 10 Uhr ist schon etwas früh für den Teufel Alkohol, aber zum Nachdenken brauche ich nun mal ein bestimmtes Umfeld. Xaviere hatte noch Küblböck-Zahnstocher, ich habe noch Küblböck-Zahnstocher (eigenlich nur treuhänderisch). Xaviere hat eine über die Rübe gekriegt, ich habe NOCH keine über die Rübe gerkriegt. Meine Rolle gefiel mir besser 8) . Apropos Küblböck-Zahnstocher : ich beugte mich vor, um die Tüte mit dem pinkfarbenen Label aus meinem Geheimfach zu holen und erstarrte. Normalerweisemuss man die „Geheimschublade“ erst leicht anheben, bevor man sie herausziehen kann, dieser Mechanismus war an der real existierenden „Geheimschublade“ nicht mehr festzustellen. Meine Baffheit konnte man durchaus auf einen virtuellen Rübenschlag zurückführen! Natürlich waren die Zahnstochern nicht mehr in der Schublade !

Jetzt wird's interessant….